Pommes für Pommes verbessere ich die Welt hin zum Guten. Auf Kosten meiner linken Daumenkuppe.
endemittezwanzig
Von den exzellenten Abenteuern der Marla Stromponsky.
19 Mai 2013
16 Mai 2013
Wenn mein Leben eine romantische Komödie wäre...
Dann wüsste ich was passieren wird. Da romantische Komödien nach
Hollywood DIN-Norm einem streng regulierten Aufbau folgen, muss ich
zunächst an meinen Tiefpunkt kommen. Ein gute Anfang ist meine
erfolglose Jobsuche und dass ich unverheiratet bin (Hollywood ist extrem
fixiert darauf, dass "unverheiratet" ein Makel ist) und zudem in einer
WG wohne. Mit Katzen. Man kann die Depression förmlich riechen. Ich
träume von einem Job als Journalistin, arbeite aber als unbezahlte
Praktikantin.
Aber schlimmer geht immer, deswegen wird mich meine
Mitbewohnerin an die Luft setzen, weil ich meine Miete nicht mehr
bezahlen kann. Bereits am nächsten Tag zieht ihr neuer Freund ein. Und
weil das Jobcenter Leipzig einen ganz besonders großen Stein mir im
Brett hat, würden sie mir am gleichen Tag ein Ultimatium stellen:
Entweder fange ich umgehend in einem Sackgassen-Job in einem ranzigen
Call-Center für sechs Euro die Stunde an oder mein ALG-II wird
eingestellt. Da ich noch an so etwas wie Prinzipien und Gut/Böse in
dieser Welt glaube und darüberhinaus vollkommen ungeeignet als
Call-Center-Mitarbeiterin bin, weigere ich. Die Quittung: Ich muss mit
gesenktem Haupt wieder bei meinen Eltern einziehen.
Wohlgemerkt,
das ist ein Film nach Hollywood DIN-Norm. Ich ziehe also zurück in
das idyllische Örtchen, in dem ich aufgewachsen bin. Selbstverständlich
wohnen meine beste Freundin und mein bester Freund noch dort, aber Zeit und Entfernung
hat uns entfremdet. Meine beste Freundin, nennen wir sie Margie, ist
verheiratet und hat zwei Kinder. Meine bester, eigentlich schwuler
Freund, ihn nennen wir Linus, wohnt noch bei seinen Eltern und arbeitet
als Versicherungsangestellter.
Margie ist sauer, weil ich mich
solange nicht gemeldet habe und meidet mich deswegen. Außerdem hatten
wir einen schlimmen Streit, bevor ich in "die große Stadt" gezogen bin,
bei dem ich ihr vorwarf ihr Leben in diesem Kaff zu vergeuden. Sie warf mir
natürlich vor, dass ich sie im Stich lasse. Linus dagegen freut sich
über meine Rückkehr, weil ich mit ihm "Magic Mike" (popkulturelle Zitate? Check!) auf Dauerrotation anschaue und Rotwein trinke.
Meine
Eltern freuen sich über meine Rückkehr, bestehen aber darauf, dass ich
mir möglichst schnell an Ort und Stelle einen Job suche. Da es in meinem
idyllischen Dörfchen keine Arbeit für studierte Geisteswissenschaftler
gibt, werde ich nur kurios bei meiner Jobsuche beäugt, bis mir meine
Mutter die Pistole auf die Brust setzt und mich zwingt den Job beim
örtlichen Bäcker anzunehmen. Ich verkaufe also Brötchen und natürlich
kauft Gott und die Welt bei diesem Bäcker ein (Supermärkte und
Billigbäcker haben keinen Platz in romantischen Komödien). Und so kommt
eines Tages natürlich auch meine Jugendliebe, nennen wir ihn Pätrick,
zum morgendlichen Brötchenkauf. Unsere erste Begegnung angespannt, untermalt von ungemütlich steifen Gespräch und ich lasse eine Torte auf sein Auto fallen oder ähnliches.
Und (natürlich!) habe ich damals mit ihm Schluss gemacht, weil ich in "die
große Stadt ziehen und meinen Traum leben wollte". Der Vollständigkeit
halber füge ich noch hinzu: Er hat es bis heute nicht verwunden.
12 Mai 2013
Marla kocht: Grüner Spargel mit Kartoffeln und Zitronen-Senf-Dip
Nach all der Aufregung der letzten Wochen kann nun wieder Ruhe und Gemächlichkeit in meinem digitalen Leben einkehren. Das bedeutet natürlich, dass all meine Koch-Groupies wieder auf ihre Kosten werden: Ich bin zurück in meiner Küche! Und weil gerade Mai ist und das Spargelzeit bedeutet, zelebriere ich das mit haufenweise geschmolzener Butter über zarten Spargelspitzen. Mehr braucht es auch nicht um das Edel-Gemüse angemessen zu servieren. Außer, und das möchte ich nachhaltig und deutlich betonen, frischen Spargel aus der Region. Es bringt nun wirklich nichts im Supermarkt zwei Tage alten Spargel mit braun-holzigen Enden zu kaufen, da kann man auch eine Spanholzplatte aus dem Baumarkt mit Butter übergießen. Das A und O ist frisch, frischer, am frischesten.
Meinen Spargel hole ich bei meiner Spargelfrau auf dem Lindenauer Markt, die mich auch dieses Jahr nicht enttäuscht. Ungewohnt für mich: Ich habe den grünen Spargel nicht gebraten, sondern gekocht. Das ist dem Umstand geschuldet, dass vor Verlangen nach geschmolzener Butter fast heulen musste - oh Butter, du holde Maid!
10 Mai 2013
The Good, the Bad & The Ugly: Fazit re:publica 2013
Seit drei oder vier Jahren schwirrte die re:publica in meinem Kopf herum. Ich las die Posts anderer Blogger und war ziemlich neidisch auf das digitale Wunderland, das die Konferenz in Berlin zu sein schien. Ohne Blog und ohne digitales Netzwerk traute ich mich aber nicht so recht, mich selbst unter die Besucher zu mischen. Ein doofer Grund, ich weiß, aber Frau ist nun einmal nicht immer rational. Dieses Jahr war ich fest entschlossen und ließ mich selbst von Geldmangel nicht abhalten. Zusammen mit den Code Girls bewarb ich mich für eine Session, wir wurden aktzeptiert, wir feierten mit Wein, Weib und Gesang und speicherten das Datum dann irgendwo im Hinterkopf ab. Ernst wurde es erst nach meiner Rückkehr aus Lissabon, als mir klarwurde: Das passiert jetzt wirklich. Du, Marla Stromponsky, wirst auf der re:publica einer noch nicht bekannten Masse an Zuschauern von deinen Erfahrungen mit Code und Programmiersprachen erzählen. Und ich bin sehr froh, dass ich diese Chance hatte. Unser Vortrag wurde mit positivem Feedback belohnt und der danach folgende Austausch war zwar teilweise anstrengend, belohnte aber mit vielen neuen Einsichten.
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Ich fiel im digitalen Wunderland durchs Kaninchenloch fallen und fühlte mich auch ohne 5000 Follower bei Twitter in Berlin sehr wohl. Vor und nach meinen eigenen Vortrag hatte ich genügend Zeit um endlich alle die Menschen zu bestaunen, die mir mit ihren Worten den digitalen Kosmos seit Jahren näher bringen. Zum Beispiel, als Laurie Penny beim Essen nur wenige Schritte von uns entfernt saß und ich aufgeregt wie ein Boyband-Groupie nervös in mich reinkicherte. Für Fangirling wird man also nie zu alt.
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Positiv aufgefallen: Der hohe Frauenanteil sowohl auf den Bühnen als auch im Publikum.
09 Mai 2013
Impressionen von der re:publica 2013
Mein Kopf ist leer, meine Energiereserven aufgebraucht - die re:publica 2013 war ganz schön anstrengend. Aber wunderschön. Vor unserem Vortrag spielten die Nerven ein bisschen verrückt, dann realisierten wir: Da sitzen an die 100 Menschen und die wollen uns hören!
Ein ausführliches Resümee folgt bald, wenn ich Packen, Heimreise und das Ankommen im eigenen Zimmer gemeistert habe.
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| Alle Fotos (c) Theresa |
05 Mai 2013
Manchmal sagt ein youtube-Video mehr als tausend Worte.
Als die Welt noch in Ordnung war: Vor vier Jahren war Community die weltbeste Nerdgasmus-Meta-Pop-Kultur-Zitateschleuder im TV.
Einfach "krumping" mit beliebigem Verb ersetzen, in meinem Fall: "codieren".
Einfach "krumping" mit beliebigem Verb ersetzen, in meinem Fall: "codieren".
03 Mai 2013
Morgen kehre ich zurück nach Hause.
Eine flexible, smarte junge Endmittzwanzigerin zu sein bedeutet vor allem eins: Flexibilität. Deswegen ist mein Macbook Pro das kostbarste Stück, das ich mein eigen nennen kann - mit stabiler WiFi-Verbindung bin ich niemals einsam. Egal wohin mich die ökonomische Brise treibt, meine Musik, mein Kino, meine Texte und meine sozialen Kontakte kommen dank dieser silbernen Kiste immer mit. Damit und mit den elementarsten Inhalten meines Kleiderschrank kann ich es überall aushalten. Und Ohropax. Frau sollte niemals die Wichtigkeit von Ohropax unterschätzen: Immer und überall ruhig und ungestört schlafen. Das ist wahre Macht sage ich euch.
Aushalten kann ich es dank des digitalen Zaubertricks also überall. Aber leben? Nein, danke. Zuhause sein kann man eben nur an einem Ort. Dieser magische Ort, an dem das Herz höher schlägt, wenn der Zug in den Bahnhof einfährt. Durch die Strassen laufe ich erhobenen Hauptes und stolzen Herzens, hier bin ich jemand, hier will ich sein, hier fließt die Energie.
Mein Zuhause ist Leipzig. An keinem Ort bin ich so glücklich, an keinem anderen Ort habe ich so gerne gelebt und an keinem anderen Ort zuvor hatte ich ein so tiefes Bedürfnis Wurzeln zu schlagen.
Zuhause ist der Ort, wo ich meine Schätze und meine Erinnerungen horte: Die geliebten analogen Bücher. Besonders dieses eine, ein Geschenk und an ideellem Wert nicht aufzuwiegen. Oder all die Fotos, die mich zahnlos grinsend und halbnackt beim Baden in Waschbecken zeigen. Mein liebstes Foto zeigt mich allerdings im Alter von vier Jahren in einer roten Stricktunika (die russisch anmutet), die Aktentasche meines Vaters unter den Arm geklemmt und seinen Hut auf meinem Kopf. Schon damals wusste ich also, dass ich meine eigenes Geld verdienen werde.
Zuhause horte ich Besitztümer, die ich nicht zum Überleben brauche, aber die mein Wohlbefinden erheblich steigern. Als da wären meine ausladende Garderobe, mein Bett, kitschiger Krimskrams und, ganz wichtig, mein Miniminini-Backofen für extrem schnell Zubereitung von überbackenen Broten. Insbesondere für den Backofen gilt: Ich kann gut ohne, aber, oh wie schön, wenn er wieder in mein Leben tritt!
Das Beste am Zuhause ist, dass man nicht fremd ist. Nach Ausland, Small-Talk, Entdeckungen und unsichtbaren "Neu und noch nie gesehen"-Schildern an jeder Strassenecke ist nach Zuhause kommen wie unter die Lieblingskuscheldecke schlüpfen. Die Ersatzfamilie, Mitbewohner und Freunde, warten und wir machen einfach da weiter wo wir vor der Abreise aufgehört haben. Freunde gewinnt man in allen Ecken der Welt, aber Freundschaften pflegt man Zuhause.
Zuhause hinter sich zu lassen ist großartig. Man entflieht, man vergisst, man lacht und lebt und liebt. Und vor allem: Man kehrt zurück.
Morgen, liebes Leipzig, kehre ich zurück.
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